Start Frauenkirche Kunst und Geschichte Fliegerangriff am 20. April 1945

Fliegerangriff am 20. April 1945

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Eine Zeitzeugin berichtet über den Fliegerangriff

gb_h_08_bombenangriff_01.jpgUm 10.30 Uhr gingen an diesem Dienstag, einem sonnigen Vorfrühlingstag, die Sirenen. Ich traf meine Familie im Reichshain, da hörten wir schon die ersten Bomber. Pfarrer Boesenecker, den wir gut kannten, riet uns, in seinen Keller unter der Sakristei der Frauenkirche zu kommen, wo bereits 15 Menschen, meist Mütter mit kleinen Kindern saßen.

Schon krachte es fürchterlich, der Staub drang vom klirrenden kleinen Fenster herein. Wir beteten und hatten Angst. Das ging ca. 10 Minuten so weiter, dann war plötzliche Stille. Pfarrer Boesenecker bat mich mit ihm hinauszugehen, um zu sehen, was los war. Das Pfarrhaus war getroffen. Frau Pfarrer Boesenecker war noch in ihrem Keller und verschüttet, konnte sich aber gottlob selbst befreien und kam dann zu uns. Schnell wieder hinunter in den Keller, es krachte an allen Ecken. Wir zitterten und weinten. Eine Luftmine zerriss das Mesnerhaus, die Mesnerin wurde später tot geborgen. Wieder kam ein Angriff. Die Bomben wurden exakt geworfen. Wenn es den Kirchturm getroffen hätte, wären wir mit Sicherheit nicht mehr heraus gekommen.

gb_h_08_bombenangriff_02.jpgNach der sechsten Welle kam endlich die Entwarnung. Die Treppe nach oben war voller Schutt und Dachziegel. Wir kletterten hinauf und kamen ans Tageslicht. Der Reichshain war ein einziges Trümmerfeld, tiefe Krater von den vielen Luftminen, nur noch Baumstämme, kein Haus mehr ringsum. Die Frauenmühle brannte. Wir liefen über Glassplitter, Dachziegel, Steine hinüber in unsere Wohnung. Gott sei dank kam uns unser Vater entgegen. Wir glaubten ihn tot. Das Haus stand noch, keine Türen mehr da, keine Fenster, das Dach hing bis zum Küchenboden, alles verwüstet. In einem großen Krater lag ein ganzes Triebwerk mit Rädern von einer Lokomotive. Mit dem Nötigsten auf einem kleinen Handkarren liefen wir erschöpft noch am gleichen Tag nach Volkratshofen, wo uns gütigerweise entfernte Verwandte für einige Wochen aufnahmen.

Lore Oppitz, geb. Stetter