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Kirchendachreparatur 1945

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gb_h_08_reparatur.jpgAn einem strahlenden Frühlingssonntag, am 18. März 1945, zogen wir Konfirmandinnen und Konfirmanden durch die „schöne Pforte“ in die Frauenkirche ein. Einen Monat später stieg ich über Trümmer in das zerstörte Gotteshaus. Die Erschütterung und die Traurigkeit kann ich nicht beschreiben. Der Anblick wurde zum Symbol für zerschlagene Hoffnungen und den tragischen Zusammenhang von Schicksal und Schuld.

Wieder Wochen später, der Krieg war zu Ende, die Ausgangssperren aufgehoben, da erreichte mich und andere Jugendliche die Bitte von Pfarrer Boesenecker, ihn bei der vorläufigen Sicherung des Dachstuhls zu unterstützen. Es fand sich eine stattliche Anzahl von Mädchen und Jungen ein, die in langer Kette ungezählte Dachplatten über Treppen zum Dachboden reichten, wo gelernte Fachleute das Gebälk sanierten, um dann das Dach provisorisch zu decken. Einige von uns sortierten aus dem heruntergestürzten Schutt Steine und Ziegel aus, die wieder verwendet werden konnten.

Ein Bild hat sich mir besonders eingeprägt: die altgewordene, aber aufrechte Gestalt von Pfarrer Boesenecker, wie er überall in der Stadt Dachziegel sammelte und zu „seiner“ Frauenkirche schaffte. Das gemeinsame Arbeiten verband uns so sehr, dass der erste Gemeindejugendkreis nach dem Krieg entstand, und zwar auf dem Baugerüst unserer Kirche. Diese Erfahrung ermutigte für den Weg in die offene und noch vielfach ungewisse Zukunft. Im übrigen „Kirche als Baustelle“ – das prägt auch heute wieder unsere Städte in wörtlicher oder übertragener Bedeutung.
Pfr. i. R. Werner Schanz, Nürnberg